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Pop Freaks 2021: Trotzig und stolz



Pop Freaks 2021. Das sind sieben Konzerte und eine Lesung im Mai / Juni.

Pop Freaks 2021 sind lässiger Krautrock und funkelnder Glam aus Ostfriesland, wie Odd Couple, die mit „Fahr ich in den Urlaub rein“ den Song der Stunde hingescheppert haben, während Nicolas Fehr, der multitalentierte junge Mensch aus Connecticut, uns wohlig musikalisch in ein hoffnungsvolles 2021 begleitet. Masha Qrella macht aus Gedichten Popsongs und Pabst liefern Rockmusik ab: richtig gelesen, Rockmusik, dieses Ding aus Betonwüsten-Riffs für verballerte Schädel. Gleich mal sehen hören, was unsere neue Anlage so kann. Fantastische Überleitung zu Erregung öffentlicher Erregung, die jeder kennen sollte, der bei Messer nicht gleich an Gabel denkt. Wütende Musik, bei der es um den Kater geht und darum, nicht mehr Anfang 20 zu sein und trotzdem nicht zu wissen, wie das eigene Leben weitergeht. Um Selbstentfremdung, um Zigaretten, Langeweile und die Nacht.

Wütend ist oft auch Stefanie Sargnagel. Die Wiener Autorin kommt aus dem Internet, sie schreibt lustig und brutal ist, eigensinnig und populär und sie liest zusammen mit Ja, Panik-Schlagzeuger Sebastian Janata, der mit „Die Ambassadorin“ eine Ode an das Matriarchat geschrieben hat. Weniger eine Ode als eine stimmliche Kampfansage gegen tiefverwurzelte patriarchale Strukturen liefern Culk ab, die vor allem durch betörenden Vocals zwischen Shoegaze und Postpunk bestechen. Zum Finale im Juni freuen wir uns auf Stella Sommer und ihre “traurige, schöne und erhabene Popmusik” , so der Spiegel.

Ob das alles stattfindet, wegen dieser Pandemie? Wir wissen es nicht. Aber wir haben wirklich sehr große Lust auf ein cooles Festival, und wir haben nur ganz wenig Lust, das irgendwie in den digitalen Raum zu verschieben. Wir machen die Pop Freaks oder wir machen sie nicht. Wenn nicht, dann machen wir was anderes, da fällt uns schon noch was ein.

Aber das hier, das hätten wir gemacht, die Pop Freaks 2021. Muss man ja auch mal sagen, trotzig und stolz.

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Freitag, 07. Mai 2021, 20:30 Uhr
Odd Couple
Fahr ich in den Urlaub rein
In Ostfriesland ist nicht viel los. Das wissen auch Jascha Kreft und Tammo Dehn. Zusammen vereinen sie als Odd Couple eine ganze Reihe ur-norddeutscher Eigenheiten: Gelassenheit hinsichtlich äußerer Erwartungen, ein Urvertrauen in das eigene Tempo und eine Performance, auf die Verlass ist. „Fahr ich in den Urlaub rein“ ist ein lässig-scheppernd dahingroovender Krautrocksong, gefüttert mit pluckernden Synthies und messerscharf-melodiösen Gitarrenriffs. Sie mischen druckvolle Soundbretter mit funkelndem Glam, kontrastieren ausufernd explodierenden Gitarrenriffs. Es sind genau diese Paarungen seltsamer Gegensätze: Deich und Metropole, zurückhaltend-coole Haltung und ironisch-wahnwitzige Textarbeit, die man in einer solchen kraftstrotzenden Direktheit nicht oft zu hören bekommt. Und über allem schwebt: Ostfriesisches Understatement.
VVK 14,00 / AK 18,00 // http://www.oddcouple.de/

Mittwoch, 12. Mai 2021, 20:30 Uhr
Nicolas Fehr
VIOLET XLVIII
Der Sound von Nicolas Fehr ist einmalig. Spielerisch heißt er die unterschiedlichsten Kunst, Kultur-und Genre-Einflüsse in seiner Musik willkommen und besitzt das Talent, sie alle auf eine harmonische Art und Weise miteinander zu kombinieren. Aufgewachsen in Connecticut, zieht der Musiker als Teenager nach Deutschland, um in Karlsruhe Medienkunst und Szenografie zu studieren. Als Multiinstrumentalist begleitete er bereits Lea Porcelain und Jungstötter auf Tournee. »Violet XLVIII« erschien Ende Dezember und war die perfekte musikalische, wohlig warme Begleitung aus dem so seltsamen Jahr 2020 in das ungewisse 2021. Hoffnung!

Donnerstag, 13. Mai 2021, 20:00 Uhr
Masha Qrella
„Woanders“
heißt das erste deutschsprachige Album von Masha Qrella, das am 19.02.2021 erschien. Der Tag wäre der 76. Geburtstag von Thomas Brasch gewesen, von dem alle Texte auf diesem Album stammen. Entdeckt hatte Masha ihn durch den Roman „Ab jetzt ist Ruhe“: „Das war auch meine Geschichte: Meine Perspektive und meine Vergangenheit!“
Masha Qrella beschloss, aus diesen Gedichten Popsongs zu machen. Aufgenommen wurde das Album gemeinsam mit der Berliner Schlagzeug-Legende Chris Imler und dem Multi-Instrumentalisten Andreas Bonkowski, die mit Masha gemeinsam den für sie so typischen Indie-Pop-Sound zwischen New Wave, Electronic und Postrock entwerfen. Zur ersten Aufführung mit diesem Trio kam es im Dezember 2019 im Berliner Theater Hebbel-Am-Ufer. Die Gäste des Abends sind auch auf dem Album mit von der Partie: Dirk Von Lowtzow singt im Duett mit Masha ein Stück am „Meer“, mit Andreas Spechtl besingt sie die „Maschinen“, Tarwater performen in „Haut“ und dem Song „Märchen“.
VVK 12 € / AK 16 € // www.mashaqrella.de

Samstag, 15. Mai 2021, 20:30 Uhr
Pabst
„Deuce Ex Machina“ Tour
Rockmusik im Jahr 2021 – wie muss das eigentlich klingen, um nicht vollkommen egal zu sein? Die Antwort hätten PABST mit DEUCE EX MACHINA parat:
Hinterrücks zeigen sich die 11 Songs treibend und zwingend, zum Durchatmen bleibt kaum Zeit. Mal werden Verzerrung und Drums bis zum quietschenden Anschlag gefahren, dass der verballerte Schädel dröhnt, mal bleiben die bittersüß-misanthropischen Hooks kleben. Auf DEUCE EX MACHINA schütteln PABST nebenbei kräftig am Hives’schen Skandi-Rock’n’Roll der 2000er („Legal Tender“), nur um später mit einem der trockensten Betonwüsten-Riffs aller Zeiten aus der asphaltierten Mojave-Desert Berlin-Marzahn zu grüßen.
präsentiert von VISIONS Magazin & DIFFUS Magazin
VVK 12,50 € / AK 17,00 € // http://www.pabstrules.com/

Samstag, 22. Mai 2021, 20:00 Uhr
Erregung Öffentlicher Erregung
EÖE
H.P. Baxxter hat über Erregung Öffentlicher Erregung einmal gesagt: „Mich persönlich erinnert die Musik an meine Jugend, als es noch völlig normal war, seine Wut musikalisch zum Ausdruck zu bringen, eine klare Meinung zu äußern und gegen den Strom zu schwimmen. Ich denke an verranzte Kellerclubs, infernalischen Lärm – das Wort Lautstärkebegrenzung gab es noch nicht – und deshalb freut es mich, dass es Bands wie diese hier gibt.“ Man kann dem Scooter-Frontmann nur recht geben: Erregung Öffentlicher Erregung sollte jeder kennen, der sich für deutschsprachige Musik interessiert und beim Wort Messer nicht direkt an Gabel denkt.
Erregung Öffentlicher Erregung zitieren sich freigeistig durch die Geschichte der subversiven Gitarrenmusik: Post-Punk trifft auf Anleihen bei Sonic Youth, krautige Beats auf sphärische Instrumentals. „EÖE“ ist ein trippiges Album, dem der Sound der Bundesrepublik der frühen 80er als Ausgangspunkt für eine Transformation ins 21. Jahrhundert dient.
Die Songs heißen „Kacke in der Jacke“, „Blaue Zähne“ oder „Kein Bock auf Frühstück“. Es geht um Selbstentfremdung, um den Kater, darum nicht mehr Anfang 20 zu sein und trotzdem nicht zu wissen, wie das eigene Leben weitergeht. Um Selbstentfremdung, um Zigaretten, Langeweile und die Nacht.
VVK 12,00 € / AK 16,00 € // www.erregungoeffentlichererregung.bandcamp.com

Freitag, 28. Mai 2021, 20:00 Uhr
Stefanie Sargnagel und Sebastian Janata
Lesen „Dicht“ und „Die Ambassadorin“
Stefanie Sargnagel ist im Internet groß geworden, aber auf der Straße aufgewachsen. Sie hat eine Form des Erzählens gefunden, die lustig und brutal ist, eigensinnig und populär. Hier legt sie ihren ersten (beinahe klassischen) Coming-of-Age-Roman vor.
Sebastian Janata stammt aus dem östlichsten Teil Österreichs. Seit 2006 ist er Mitglied bei der Band Ja, Panik. «Die Ambassadorin» ist sein Debütroman. «Die Ambassadorin» ist eine Ode an das Matriarchat und die Geschichte eines Antihelden, der unerschrockener kaum sein könnte. Sebastian Janatas Debüt ist humorvoll, skurril – und ganz und gar ajour.
VVK 15,00 € / AK 20,00 € // https://www.rowohlt.de/buch/stefanie-sargnagel-dicht-9783498062514
https://www.rowohlt.de/buch/sebastian-janata-die-ambassadorin-9783498092030

Samstag, 29. Mai 2021, 20:30 Uhr
Culk
Zerstreuen über Euch
Die Wiener Formation CULK präsentiert mit „Dichterin“ ihre erste Single aus dem im Oktober 2020 kommenden Album „Zerstreuen über Euch“. Es ist das zweite Album der Gruppe rund um Sängerin & Multiinstrumentalistin Sophie Löw. Mit einer gewaltigen Dringlichkeit singt sie von Machtkämpfen, verzerrte Akkorde untermalen die düstere Szenerie zwischenmenschlicher Abgründe.
Für das neue Material haben sich CULK mit dem Wiener Produzenten Wolfgang Möstl (Mile Me Deaf, Nino aus Wien, Voodoo Jürgens, Dives…) zusammengetan. Die aktuelle Single „Dichterin“ wird dabei zu einer stimmlichen Kampfansage gegen tiefverwurzelte patriarchale Strukturen.
VVK 12,00 € / AK 16,00 € // https://www.instagram.com/culkmusic/

Samstag, 19. Juni 2021, 20:00 Uhr
Stella Sommer
Northern Dancer
„So traurige, schöne und erhabene Popmusik macht sonst niemand in Deutschland“ (Der Spiegel)
Stella Sommer ist Sängerin, Songwriterin, Musikerin und seit 2010 einzig konstantes Mitglied ihres Projekts Die Heiterkeit. Mit Die Heiterkeit veröffentlichte Stella Sommer bisher vier von der Musikpresse hochgelobte Alben. Das letzte Album “Was Passiert Ist” erschien im März 2019, erhielt Höchstwertungen und wurde von Spiegel Online zu einem der besten Alben des Jahres gekürt. Im August 2018 veröffentlichte Stella Sommer ihr erstes englischsprachiges Soloalbum. Im Oktober 2020 folgte ihr Album ‚Northern Dancer‘ und wieder stehen die Lieder wie Skulpturen als Kunstwerke im Raum.

Foto: Wenn Du hier ein Konzert siehst, hast Du Konzert-Entzug.

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